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Massai in Tansania

Nomaden im Grenzland von Kenia und Tansania

Weit über die Grenzen Afrikas hinaus sind die Massai berühmt für ihre Kultur und als Krieger in der Savanne.

Die Massai sind Nomaden, das in der Steppe Südkenias und Nordtansanias lebt.

Man nimmt an, dass die Vorfahren der Massai vor drei- bis vierhundert Jahren aus der Gegend des Nil-Mittellaufs, dem heutigen Sudan, in die Gegend östlich des Victoriasees zogen.

Ihr Lebensraum ist heute in weiten Teilen als Massai-Steppe bekannt.

Im Lauf der Geschichte mussten die Massai laufend 'ihre' Steppe gegen andere eindringende Stämme verteidigen und sich behaupten. Mit Erfolg, denn die Massai sind bei den übrigen Stämmen gefürchtet und gelten als ein hochmütiges und kriegerisches Volk. So konnten sie sehr lange unbehelligt von fremden Einflüssen in ihrer traditionellen Weise leben.

Die Kultur der Massai

Ihr Lebensraum wird kleiner, die Umwelt der Massai verändert sich. Können die Massai ihre Kultur angesichts dieser Probleme bewahren?

In dieser Weise haben die Massai über Jahrhunderte hinweg unverändert und erfolgreich gelebt. Kultur und Tradition konnten bis heute fast unverändert bewahrt werden. Doch in jüngster Zeit sehen sich die Massai übermächtigen Herausforderungen gegenüber.

Herausforderungen

Zum einen handelt es sich dabei um Umwelteinflüsse, mit denen die Massai konfrontiert sind. Die fortschreitende Abholzung lässt Versteppung, Verwüstung und Bodenerosion zunehmen. So verringert sich aber auch der Lebensraum der Massai immer weiter. Klimatische Veränderungen führen zusehends dazu, dass die Trockenperioden zwischen den Regenzeiten immer größer werden.

Zum anderen sehen sich die Massai politischem Druck ausgesetzt: So möchten die Kommunen die Steppe landwirtschaftlich nutzen. Da die Massai den Ackerbau traditionell ablehnen, wird die Steppe nun anderen Stämmen zur Nutzung überlassen. Die Massai stehen vor der Wahl, ihren Lebensraum entweder produktiver zu nutzen oder in unfruchtbare Regionen vertrieben zu werden.

Immer weiter wird das Verkehrsnetz in und durch die Steppe ausgebaut – so kann Abgeschiedenheit der Massai nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Ein weiters Problem in diesem Zusammenhang: die Massai besitzen kaum Landrechte.

Als „Könige der Steppe“ haben die Massai nie daran gedacht, sich das Land festschreiben zu lassen. So aber ist es ein Leichtes sie von ihrem angestammten Land zu vertreiben. Aufgrund mangelnder Schulbildung vermögen es Massai kaum selbst für ihre Rechte einzutreten und zu kämpfen.

Der Massaikral: eine Boma

In großen Familienverbänden leben die Massai in sogenannten Boma zusammen. Eine Palisade schützt Menschen und Tiere vor den wilden Tieren.

Die Häuser (enk'ang) sind etwa 1,70 Meter hoch und werden von den Frauen aus Holzgerüsten errichtet, die mit Kuhdung zu Wänden verstärkt werden. Zum Schutz vor der Hitze sind die Häuser fensterlos.

In einen Vorraum der Hütte wird nachts das Jungvieh gesperrt. Im daran anschließenden etwas größeren Raum wird auf offenem Feuer gekocht und auf Kuhhäuten geschlafen.

Die Hütten einer Boma sind als Kreis um einen großen Platz in der Mitte errichtet. Umschlossen ist er durch eine hohe Dornenhecke zum Schutz vor wilden Tieren. In der Mitte befindet sich der Pferch, in dem abends das Vieh geschützt ist, wenn es von der Weide kommt.

Die Rolle von Clan und Familie

Das Zusammenleben der Massai ist streng geregelt. Führungspositionen gehören allein den älteren Männern. Die Frauen dagegen tragen die Last des Alltags.

Die einzelnen Clans leben für sich und behalten ihr nomadisches Leben bei. Sie sind auch nie in Form von größeren Verbänden wie z. B. in Königreichen organisiert gewesen. Führungsrollen kommen dagegen den Ältesten zu, die beispielsweise den Zeitpunkt festlegen, an dem die jungen Männer zu Kriegern werden - und wann diese Zeit wieder vorbei ist. Die Ältesten sind die Oberhäupter einer Boma.

Neben der familiären Zugehörigkeit ist die Zuordnung zu einer Alters- bzw. Beschneidungsklasse unter den Massai von großer Bedeutung. Den Ältesten folgen die Männer mittleren Alters. Sie sind meist mit mehreren Frauen verheiratet und stehen ihren Familien und Kindern vor.

Stolze Massai-Krieger der Steppe

Zwischen 15-25 Jahren wird ein Junge zum Krieger - zum Mann: Durch die Initiation.

Die jungen Männer im Alter zwischen 15-25 Jahren bilden die Abteilung der Krieger. Krieger wird man durch die Beschneidung. Den Beschneidungszeitpunkt legt der Vater des Jungen fest. Allerdings gibt es bestimmte Beschneidungszeiträume, die nur alle 5-8 Jahre wiederkehren. Die in dieser Zeit beschnittenen Jungen bilden eine Kriegergeneration. Männer einer Beschneidungsklasse haben ein sehr enges Verhältnis zueinander und fühlen sich einander verbunden.

Das Kriegerdasein gilt als die schönste Zeit im Leben eines Mannes. Ab diesem Zeitpunkt ist er nicht mehr dem Willen des Vaters unterworfen, er hat alle Rechte und lebt frei und ungebunden.

Die Krieger haben trotz ihrer großen Freiheit aber auch Aufgaben im Zusammenleben der Gemeinschaft. Früher verteidigten die Krieger die Steppe gegen eindringende andere Stämme oder zogen sogar aus, ihnen Rinder und Frauen zu rauben. Heute ist ihre wichtigste Aufgabe die Boma und das Vieh auf der Weide vor Wilden Tieren zu schützen.

 

Traditionelles Leben der Frauen 

Das Dasein der Frauen ist bestimmt von der Fürsorge für die Familie - und der Unterordnung im Patriarchat.

Wenn eine Frau das 12.-16. Lebensjahr erreicht hat, wird sie verheiratet. Den Zeitpunkt der Heirat und den Mann bestimmt allein der Vater.

Zur Verheiratung gehört gleichzeitig die Beschneidung des Mädchens kurze Zeit vor der Heirat - eine grausame Tradition, die erst langsam hinterfragt wird und abnimmt. Zu diesem Rollenverständnis gehört es auch immer noch, dass Mädchen in einen fremden Clan verheiratet oder verkauft werden. Der Vater erhält für seine Tochter nämlich einen nicht unerheblichen Brautpreis, der üblicherweise in Rindern gezahlt wird.

Im Boma sind die Frauen für das Leben verantwortlich. Ihnen kommt dabei eine Vielzahl von Aufgaben zu. Dazu zählt der Bau der Hütten, in denen sie zusammen mit ihren Kindern leben.

Die Frauen sind es auch, die ein Boma mit Wasser versorgen. Mit Eseln machen sie sich zu den meist weit entfernten Wasserstellen auf und transportieren die schwere Last in das Dorf zurück.

Neben dem Kochen sind die Frauen noch für die Beschaffung von Brennholz für das Kochfeuer, sowie für das abendliche und morgendliche Melken der Tiere zuständig.

Kindheit im Land der Massai

Schon früh lernen Mädchen wie Jungen sich in ihre klassischen Rollen der Massai-Gesellschaft einzufügen.

Die Kinder werden im engen Kontakt zur Mutter groß. Bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr begleiten sie die Mutter auf Schritt und Tritt auf deren Rücken. Dann werden die Jungen ab etwa dem fünften Lebensjahr als Hirtenjungen tätig. Sie begleiten morgens die Rinderherden auf die Weiden und kehren erst abends zurück.

Die Mädchen demgegenüber werden schon in frühen Jahren auf ihr späteres Leben als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Nach der Beschneidung im Alter von 10-16 Jahren findet die schon lange im voraus geplante Heirat statt.

Die Rinder der Massai

Die Lebensgrundlage der Massai ist die Rinderzucht. Je mehr Rinder ein Massai besitzt, als desto reicher gilt er.

Der als Regengott verehrte Ngai hat Erzählungen zufolge den Massai alle Rinder auf der Erde versprochen. Demnach wurden andere Rinderbesitzer von den Massai stets als 'Viehdiebe' angesehen, denen die Rinder mit Recht und gewaltsam abgenommen werden konnten.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein musste diese Haltung natürlich vielfach zu Konflikten mit den umliegenden Stämmen führen.

Geschlachtet wird ein Rind jedoch nur aus besonderem Anlass. Zur Deckung des Fleischbedarfs werden neben den Rindern noch Ziegen gehalten.

Mais ist inzwischen zum Grundnahrungsmittel der Massai geworden. Aus ihm wird der Maisbrei, der Ugali, hergestellt.

Da die Massai keinen Ackerbau betreiben muss der Mais entweder gekauft oder eingetauscht werden. Nur in den seltensten Fällen betreiben die Massai Ackerbau.

Ursprünglich jedoch ernähren sich die Massai nur von der Milch, dem Blut und dem Fleisch ihrer Tiere. So zapfen sie gelegentlich bis heute die Halsschlagader der Rinder an, um von deren Blut zu trinken.